Faszination Kanada

Kanadas Nord-Westen, Traumziel für Individualisten – Teil 2

Von British Columbia in die Weiten der Northwest Territories

Und weiter geht’s, meine Reise geht Richtung Northwest Territories weiter. Toby, unser Tourguide hat uns schon mal vorgewarnt. Bald geht es abseits der geteerten und bisher recht gut ausgebauten Straßen in den „Busch“. Die Gravel-Roads, die Schotterstraßen werden uns aufgrund der langen Trockenheit mit viel Staub versorgen. Aber ich wollte diese Reise abseits der Touristenrouten, wollte das Abenteuer mit allem, was dazu gehört. Also, begleitet mich auf den Routen und an die Orte der kommenden Tage.

Tag 5: Rund um den Muncho Lake

Nach einem erstklassigen Frühstück in der Lodge machen wir uns auf den Weg, die Gegend rund um den See zu erkunden. Wir halten an mehreren Aussichtspunkten und können den See so aus verschiedenen Perspektiven und in seinen Farben bestaunen. Die Gegend lädt außerdem zu zahlreichen leichten bis mittelschweren Wanderungen auf verschiedenen Trails durch die faszinierenden Canyons ein, zum Beispiel den Boulder Canyon oder Stone Sheep Trail. Wir entscheiden uns für einen relativ einfachen Weg zu den „Mineral Licks“. Dabei entdecken wir zunächst eine kleine Gruppe Stone Sheeps. Das an Mineralien reiche Gestein ist wichtig für die in der Region lebenden Huftiere für das Wachstum ihrer Knochen, Zähne und Haare. Wir werden außerdem im Laufe unserer Wanderung mit einer Aussicht auf einen wunderschönen Canyon mit einzigartigen Gesteinsformationen belohnt.

Stone Sheep an den Mineral Licks in der Nähe des Muncho Lakes. Foto Daniela Ganz
Stone Sheep an den Mineral Licks in der Nähe des Muncho Lakes. Foto Daniela Ganz

An einem Aussichtspunkt treffen wir auf einen anderen Durchreisenden, der uns auf eine weitere Familie von Stone Sheeps aufmerksam macht, welche sich direkt am Straßenrand befinden soll. Also zurück ins Auto. Nach kurzer Suche stoßen wir auf vier Exemplare, die gemütlich die Mineralien aus den Steinen lecken und sich durch den vorbeiziehenden Verkehr kaum stören lassen.
Der Nachmittag steht nun zur freien Verfügung. Erst ein kleiner Spaziergang am See und anschließend auf dem Balkon mit einem Buch ein wenig die Ruhe genießen. Das ist ein herrlicher Urlaub.

Auch am Alaska Highway findet diese Stone Sheep Gruppe Mineralien und nimmt sie fleissig auf. Foto Daniela Ganz
Auch am Alaska Highway findet diese Stone Sheep Gruppe Mineralien und nimmt sie fleissig auf. Foto Daniela Ganz

Tag 6: Fahrt nach Fort Nelson (ca. 240 km)

Nach der Ruhepause am schönen Muncho Lake geht es am nächsten Morgen weiter in Richtung Fort Nelson. Der Highway führt nun am Toad River entlang bis zum Stone Mountain Provincial Park. An einem Aussichtspunkt können wir die beeindruckenden Folded Mountains betrachten, die durch ihre interessanten, in vielen Jahrmillionen gefalteten Gesteinsformationen auffallen.

Welch unglaublichen Kräfte haben hier gewirkt. Die Folded Mountains in Northern BC. Foto Daniela Ganz
Welch unglaublichen Kräfte haben hier gewirkt. Die Folded Mountains in Northern BC. Foto Daniela Ganz

Weiter geht’s durch die schönen Northern Rockies zum Summit Lake. Wieder treffen wir auf einige Stone Sheeps, welche uns neugierig beobachten.  Wir entschließen uns zu einer weiteren kleinen Wanderung auf dem „Erosion Pilar Trail“, der uns zu zwei durch Erosion entstandenen Steinsäulen führt. Diese „Pilars“ sind in den Northern Rockies weit verbreitet.
Auf der weiteren Fahrt begegnet uns wieder Rauch, welcher uns teilweise den Blick auf die Täler der Northern Rockies verwehrt. Wir verlassen den Provinzial Park und die Berge und setzen unseren Weg nach Fort Nelson nun entlang des Tetsa Rivers fort. Als wir Fort Nelson erreichen, erfahren wir im dortigen Visitor Center, dass es sich bei dem Rauch vermutlich um ein Feuer in Sibirien handelt, dessen Rauch so weit nach Osten getragen wurde.

Der herrlich gelegene Summit Lake lädt zur Rast ein. Der Campingplatz war gut frequentiert, was aber bei der grandiosen Landschaft kein Wunder ist. Foto Daniela Ganz
Der herrlich gelegene Summit Lake lädt zur Rast ein. Der Campingplatz war gut frequentiert, was aber bei der grandiosen Landschaft kein Wunder ist. Foto Daniela Ganz

Anschließend besuchen wir noch das „Fort Nelson Heritage Museum“. Liebhaber von alten Fahrzeugen kommen hier voll auf ihre Kosten. Das Museum ist den Veteranen und Erbauern des Alaska Highways gewidmet. Fort Nelsons wichtigste Industrie ist die Gasförderung, wovon zahlreiche Bohrtürme zeugen.

Die Geschichte des Baus des Alaska Highways und der Gasförderung in Northern BC wird im Fort Nelson Heritage Museum eindrucksvoll ausgestellt. Foto Daniela Ganz
Die Geschichte des Baus des Alaska Highways und der Gasförderung in Northern BC wird im Fort Nelson Heritage Museum eindrucksvoll ausgestellt. Foto Daniela Ganz

Tag 7: Fahrt nach Fort Simpson (ca. 480 km)

Heute ist es soweit. Wir machen uns auf den Weg in die Northwest-Territories. Dazu verlassen wir nun den Alaska Highway und wechseln auf den Highway 7 (Liard Highway) Richtung Norden. Größtenteils Schotterstraße, im Gegensatz zum asphaltieren Alaska Highway. Aber eine Straße, die nicht weniger endlos erscheint und unserem Guide durch ihre Monotonie eine Menge abverlangt. Da wir heute einen langen Weg vor uns haben, halten wir eher selten.

Auf dem Weg von Fort Nelson nach Yellowknife erwartet uns ein endlos erscheinender Highway. Foto Daniela Ganz
Auf dem Weg von Fort Nelson nach Yellowknife erwartet uns ein endlos erscheinender Highway. Foto Daniela Ganz

Aber ein Zwischenstopp führt uns nach Fort Liard, einem kleinen Ort, der hauptsächlich von First Nations bewohnt ist. Hier treffen wir auf einen einheimischen First Nation, der uns einige interessante Geschichten aus seinem Leben hier in Fort Liard erzählt. Als er hört, dass wir in Whitehorse im Yukon aufgebrochen sind, erzählt er uns, sein Name sei Klondike, was er uns beweist, indem er uns stolz seinen Ausweis zeigt.

Wir besuchen außerdem einen Craft Shop im Ort. Hier finden wir handgefertigte Kunstwerke aus Birkenrinde. Am bekanntesten sind die Körbe aus Birkenrinde, die eine lange Tradition in der Kultur der First Nations haben. Aber auch viele andere schöne Dinge finden sich hier, wie handbestickte Bilder, kleine Wildlederschuhe, Haarspangen, kleine Boote und ja, sogar Christbaumschmuck im Birkenrinde-Stil. Das Highlight in Fort Liard ist aber sicher die Begegnung mit einer großen Bisonherde, welche kurz vor dem Ortseingang am Straßenrand verweilt.

Wild und doch dem kleinen Ort Fort Liard ganz nah. Eine große Bisonherde weidet rund um die First Nation Siedlung. Foto Daniela Ganz
Wild und doch dem kleinen Ort Fort Liard ganz nah. Eine große Bisonherde weidet rund um die First Nation Siedlung. Foto Daniela Ganz
In der Bison-Herde von Ford Liard gibt es in diesem Jahr viel Nachwuchs. Foto Daniela Ganz
In der Bison-Herde von Ford Liard gibt es in diesem Jahr viel Nachwuchs. Foto Daniela Ganz

Nach einem gemütlichen Picknick an einem nahe gelegenen kleinen See geht es weiter. In der Ferne können wir die ersten Ausläufer der Nahanni Mountain Range sehen, welche das Gebiet um den Nahanni Nationalpark begrenzt. Nach über 10 Stunden und einer kleinen Fährfahrt über den Liard River erreichen wir schließlich Fort Simpson und beziehen unsere Zimmer. Die nächsten 3 Nächte werden wir in einem gemütlichen Bed & Breakfast verbringen, dessen Terrasse einen direktem Blick auf den MacKenzie River erlaubt.

Tag 8: Nahanni National Park

Fort Simpson ist eine kleine Siedlung, welche früher ein Handelsposten der Hudson´s Bay Company (HBC) war. Hier fließen der Liard River und Mackenzie River zusammen. Beide Flüsse waren wichtige Handelsrouten zur Zeit der HBC. Heute liegt Fort Simpson weit weg von jeder Zivilisation und hat touristisch gesehen nur einen Höhepunkt. Den Nahanni National Park. Der Park ist nur über den Luft- oder Wasserweg zu erreichen. Eine Straße gibt es nicht. Von Fort Simpson aus kann man Rundflüge buchen, die einem ermöglichen, diesen atemberaubenden Park aus der Luft zu betrachten. Außerdem ist der Nahanni River ein beliebtes Ziel für Kanufahrer, Angler und Wanderer. Der Park ist Teil des UNESCO Weltnaturerbes und beeindruckt durch seine vielfältige Tierwelt sowie zahlreiche Canyons und Wasserfälle.

Da man nie wissen kann, wie das Wetter wird und ob ein Flug in den Park möglich ist, sind in Fort Simpson zwei volle Tage Aufenthalt eingeplant. Wir haben Glück und können gleich am ersten Tag einen Rundflug über den Park bis zu den spektakulären Virginia Falls machen. Wir ergattern einen der letzten Flüge bei einer der beiden lokalen Airlines.

Mit dieser Cessna und Pilot Liam starten wir ins Abenteuer Rundflug über den Nahanni Nationalpark Reserve. Foto Daniela Ganz
Mit dieser Cessna und Pilot Liam starten wir ins Abenteuer Rundflug über den Nahanni Nationalpark Reserve. Foto Daniela Ganz

Nach einem kurzen Abstecher ins Visitor Center geht’s los. Mit einer kleinen Cessna werden wir von unserem Piloten Liam in den Park geflogen. Bevor wir die Nahanni Mountain Range überqueren, geht es über ein weitläufiges Sumpfgebiet mit zahlreichen kleinen Seen und Flüssen. Es ist ein bisschen bewölkt, so dass die Sicht auf die Berge (MacKenzie Mountains) zunächst eingeschränkt ist. Doch sobald wir den ersten Canyon passiert haben, klart der Himmel auf und wir haben einen atemberaubenden Blick auf die Flusstäler und die weiteren Canyons unter uns. Man kommt aus dem Stauen über die unendlich erscheinende Landschaft gar nicht heraus.

Nach ca. 1 Stunde erreichen wir die Virginia Falls. Diese Wasserfälle sind mit 96 Metern Höhe fast doppelt so hoch wie die Niagara Falls. Unermüdlich donnert das Wasser die Felsen hinab und bahnt sich seinen Weg durch den Canyon.

Was für ein beeindruckender Anblick aus der Luft, die 96 Meter hohen Virginia Falls im Nahanni Nationalpark Reserve. Foto Daniela Ganz
Was für ein beeindruckender Anblick aus der Luft, die 96 Meter hohen Virginia Falls im Nahanni Nationalpark Reserve. Foto Daniela Ganz

In der Nähe gibt es einen kleinen Landeplatz, der von vielen Besuchern als Ausgangspunkt für Wanderungen und Wildwasserfahrten genutzt wird. Wir umkreisen die Fälle mehrfach bevor wir uns auf den Rückweg nach Fort Simpson machen. Auch der Rückflug ist voll von wunderschönen Ausblicken auf die Berge, Canyons und Flussläufe des Parks.

Aufgrund seiner abgelegenen Lage besuchen nur etwa 7000 Menschen jedes Jahr den grandiosen Nahanni Nationalpark Reserve. Schade eigentlich. Foto Daniela Ganz
Aufgrund seiner abgelegenen Lage besuchen nur etwa 7000 Menschen jedes Jahr den grandiosen Nahanni Nationalpark Reserve. Schade eigentlich. Foto Daniela Ganz

Kurz vor der Landung umkreisen wir noch einmal Fort Simpson und erhaschen einen Blick auf die örtliche Mülldeponie. Dort tummeln sich vier Schwarzbären. Nach insgesamt fast 2 Stunden Flugzeit kehren wir zurück und sind unglaublich begeistert von diesem einzigartigen Ausflug. Nach einem gemütlichen Nachmittag auf der Terrasse unserer Unterkunft geht es am Abend nochmal hinaus zu einem Spaziergang ans Flussufer des MacKenzie Rivers. Hier können wir einen schönen Sonnenuntergang genießen und die Ankunft eines Wasserflugzeugs bewundern.

Das Verkehrsmittel in dieser Ecke der Northwest Territories ist das Wasserflugzeug. Foto Daniela Ganz
Das Verkehrsmittel in dieser Ecke der Northwest Territories ist das Wasserflugzeug. Foto Daniela Ganz

Tag 9: Fort Simpson

Der zweite Tag in Fort Simpson soll heute hauptsächlich der Entspannung dienen. Die Sehenswürdigkeiten in dem kleinen Ort sind begrenzt. Die Terrasse in unserer Unterkunft lädt zum Lesen ein. Wir machen auch noch eine kleine Tour zum örtlichen Campingplatz und einen Spaziergang am nahegelegenen Strand. Der Strand liegt direkt an der Flussmündung wo MacKenzie und Liard River zusammenfließen. In der Nähe befindet sich außerdem ein Versammlungsplatz der First Nations.

Da die kulinarischen Möglichkeiten in Fort Simpson beschränkt sind, lassen wir den Abend bei einem selbstgekochten Abendessen mit Erinnerungen an den Aufenthalt hier ausklingen.

Tag 10: Fahrt nach Hay River (ca. 430 km)

Am nächsten Morgen verlassen wir Fort Simpson und machen uns auf der sogenannten Waterfalls Route (MacKenzie Highway) auf den Weg nach Hay River.

Am Beginn der Waterfall Route tosen die Sambaa Deh Falls . Foto Daniela Ganz
Am Beginn der Waterfall Route tosen die Sambaa Deh Falls . Foto Daniela Ganz

Unser erster Halt ist der Samba Deh Falls Park. Hier machen wir eine kleine Wanderung entlang des Trout Rivers und den Samba Deh Wasserfällen. Wir stehen direkt neben den Fällen auf den Steinen, die durch die Wasserkraft vibrieren und sehen das Wasser in den kleinen Canyon hinabrauschen.

Dann geht es weiter. Der nächste Wasserfall lässt nicht lange auf sich warten. Die Lady Evelyn Falls. Auch hier führt ein kleiner Wanderweg zu mehreren Aussichtsplattformen, die eine gute Sicht auf die beeindruckenden 17 Meter tiefen Fälle des Kakisa Rivers ermöglichen. Ausgangspunkt für beide Wasserfälle sind sehr schön angelegte und gut ausgestattete RV-Camp Grounds, die sich für Freunde des Campingurlaubs bestens zum Verweilen eignen. Den Abschluss bilden die McNallie Falls, bevor wir unser heutiges Tagesziel Hay River erreichen.

Die Lady Evelyne Falls an der Waterfall Route. Foto Daniela Ganz
Die Lady Evelyne Falls an der Waterfall Route. Foto Daniela Ganz
Kurz danach stehen wir an den kleineren McNallie Falls. Foto Daniela Ganz
Kurz danach stehen wir an den kleineren McNallie Falls. Foto Daniela Ganz

Fortsetzung folgt in Teil 3

 

Kanadas Nord-Westen, Traumziel für Individualisten – Teil 2
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Alfred Pradel

Alfred Pradel

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist er Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Ontario setzte er den ersten Interkulturellen Austausch von Sportlern um.
Alfred Pradel betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

Kommentar

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  • War gerade als Beifahrer mit auf eurer Tour 🙂 Wir haben die Tour 2015 von Whitehorse nach Calgary via NWT gemacht – unvergesslich, bis auf den Flug zu den Verginia Falls, der leider wegen schlechten Wetters nicht stattfinden konnte 🙂

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