Faszination Kanada

Der Elch, die größte Hirschart der Erde

Was für ein Prachtexemplar eines amerikanischen Elchbullens am Snake River im Grand Teton Park in Wyoming. Foto woodkern / Deposit

Was für ein Prachtexemplar eines amerikanischen Elchbullens am Snake River im Grand Teton Park in Wyoming. Foto woodkern / Deposit

Das Tier mit dem besonderen Charme kommt in Kanada und Alaska noch sehr häufig vor

Der Elch (lat. Alces alces) ist die größte noch vorkommende Hirschart der Erde. Dabei ist die Größte ihrer Art auch eine der jüngsten der Erdgeschichte. Gibt es die Tierart Hirsche, einschließlich der Urelche schon seit 25 bis 30 Millionen Jahre, existieren die heutigen Elche mit ihren Unterarten erst seit 60.000 Jahren. Unser Artikel über den Hirsch mit dem markanten Aussehen gewährt euch spannende Einblicke in das Leben, das Verbreitungsgebiet und die Unterarten von Alces alces.

Nach Erkenntnissen der heutigen Forschung stammt der Elch ursprünglich aus dem zentralasisatischen Raum, von wo aus er sich bis nach Europa und über die am Ende des Pleistozän vorhandene Beringbrücke auch nach Nordamerika ausgebreitet hat. Als der Meeresspiegel stieg und die Beringbrücke überflutet wurde, haben sich die europäischen und die nordamerikanischen Elche isoliert voneinander entwickelt und es sind Unterarten in den Regionen entstanden.

An diesem wunderschönen Elchbullen zeigen sich die charakteristischen Merkmale der größten Hirschart der Erde, wie die überhängende Oberlippe, der Widerrist und der Kehlsack. Foto dbvirago / Deposit
An diesem wunderschönen Elchbullen zeigen sich die charakteristischen Merkmale der größten Hirschart der Erde, wie die überhängende Oberlippe, der Widerrist und der Kehlsack. Foto dbvirago / Deposit

Der Elch ist von seinem Aussehen her etwas Besonderes, eine Erscheinung, die beeindruckt, die einen aber auch lächeln lässt. So gibt ihm die charakteristische überhängende Oberlippe ein doch lustiges Aussehen. Aber auch der kurze, massige Rumpf mit den langen, im Verhältnis zum Körper eher dünn wirkenden Gliedmaßen machen den Elch zu einer Erscheinung, die nicht so recht in die edle Hirschfamilie passen will. Dennoch ist das Tier in seiner Art impossant, es kann bis drei Meter Kopf-Rumpf-Länge erreichen, dies bei einer Schulterhöhe von bis zu 2,30 Metern und einem Bullengewicht von bis zu 800 Kilogramm und mehr. Größe und Gewicht der Elche variieren zu den Gebieten, in denen sie leben. Die Elchkühe sind vom Körperbau her gleich, sie sind aufgrund des geringeren Gewichtes jedoch etwas graziler. Auch fehlen den Elchkühen die stark erhöhten Widerriste, die von den Muskeln und Bändern herrühren, die an die Dornfortsätze der Brustwirbelsäule ansetzen, um das Gewicht des mächtigen Geweihes tragen zu können.

Im Gegensatz zu anderen Hirscharten leben die Elche nicht in Familienverbänden, sie sind außer in der Paarungszeit Einzelgänger, auch wenn man sie zum Beispiel an einem See in größerer Zahl beim Fressen antreffen kann. Manchmal kann man in strengen Wintern als Ausnahmen von der Regel lose Gemeinschaften von Elchen antreffen.

Elche sind sehr gute Schwimmer und sie lieben das Äsen von Wasserpflanzen

Eine Besonderheit bei den Elchen, die Paarhufer sind, ist die bei keiner anderen Hirschart vorkommende Schwimmhaut zwischen den großen Schalen der Hufe. Diese Schwimmhaut erleichtert das Gehen der schweren Tiere auf sumpfigen oder morastigen Grund oder Schnee. Elche können sehr gut schwimmen und lieben Wasserpflanzen über alles. Mit den Schwimmhäuten können sie in Gewässern gut laufen, schwimmen und tauchen. Sie verschließen dabei die Nasenlöcher, um unter Wasser äsen zu können.

Bei den Elchen tragen männliche Tiere ein Schaufelgeweih mit einer Spannweite von bis zu zwei Metern bei den Alaska-Elchen und bis zu 1,35 Meter bei den europäischen Elchen. Anders als bei anderen Hirscharten wächst das Geweih nicht aus der Kopfoberseite sondern an den Kopfseiten heraus. Das Geweih wird zwischen Januar und Februar abgeworfen und wächst dann bis zur nächsten Brunft wieder neu heran. Bei den Elchen kann beim Geweih nicht auf das Alter des Tieres geschlossen werden, es unterliegt im Wachstum keinen Gesetzmäßigkeiten. Im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, wenn sie kräftemäßig voll entwickelt sind, ist das Geweih am Größten, bei älteren Tieren wird es wieder kleiner. Das Geweih kann zur Verteidigung eingesetzt werden, am Wichtigsten ist es jedoch als Imponierzeichen oder für den Kampf mit Artgenossen um die Weibchen. Und diese Kämpfe werden teilweise ausdauernd und erbittert geführt. Schon öfters wurden toten Elchbullen gefunden, die sich mit den Geweihen so verkeilt haben, dass sie nicht mehr auseinander kamen und verhungert sind.

Moose meets canoe - Eine Begegnung der besonderen Art in Muskoka im Algonquin Provincial Park. Foto Voyageur Quest
Moose meets canoe – Eine Begegnung der besonderen Art in Muskoka im Algonquin Provincial Park. Foto Voyageur Quest

Zahlen, Daten und Fakten zum Elch

  • Die größte Hirschart der Erde mit Vorkommen in Europa, Asien und Amerika, jeweils in den nördlichen Gebieten, auch in Deutschland werden zum Teil Überläufer aus Skandinavien oder den Baltischen Staaten gesichtet
  • Der Elch kann in freier Natur bis zu 16 Jahre alt werden
  • Es gibt verschiedene Unterarten der Elche
  • Die Tiere werden bis zu 3 Meter lang und erreichen eine Schulterhöhe von 2,3 Metern bei einem Gewicht von bis zu 800 Kilogramm und mehr
  • Nur die Bullen tragen ein bis zu 2 Meter breites mächtiges Geweih
  • Das Fell der adulten Tiere ist grob und hart, das der Jungen noch weich
  • Elche sind sehr wehrhafte Tiere
Ein Elchbulle in der Provinz Newfoundland & Labrador beim Äsen im Wald. Gut zu sehen ist, dass das Geweih noch mit Bast umschlossen ist. Foto Go Western Newfoundland/Aiden Mahoney
Ein Elchbulle in der Provinz Newfoundland & Labrador beim Äsen im Wald. Gut zu sehen ist, dass das Geweih noch mit Bast umschlossen ist. Foto Go Western Newfoundland/Aiden Mahoney

Wo kommen die Elche überall vor?

Elche bewohnen die nördlichen borealen Wälder, die Taiga und die Tundren in Europa, Asien und Nordamerika. In Asien sind Elche neben Russland auch in der Mongolei und der Mandschurei anzutreffen. In Europa findet man Elche in Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, den baltischen Staaten, in Polen, Weissrussland und Tschechien. Vereinzelte Überläufer trifft man in Deutschland in Brandenburg an.
In Nordamerika kommt der Elch in Kanada vor, ebenso in Alaska. Man findet Exemplare in den Neuengland-Staaten, New York, in den nördlichen Rocky Mountains, in Michigan und im Nordosten von Minnesota sowie in isolierten Populationen in Utah und Colorado.

Welche Unterarten des Elches gibt es?

Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass es eigentlich nur zwei Elcharten gibt, den eurasischen und den amerikanischen Elch. Andere Forscher vertreten die Meinung, dass sich aus dem euraischen Urahn der heutigen Elche folgende Unterarten gebildet haben:

  • der Europäische Elch mit Vorkommen in Skandinavien, Polen, den baltischen Staaten sowie in Nordrussland westlich des Ural
  • der Jakutische Elch mit Vorkommen im westliches Sibirien
  • der Kamtschatka-Elch mit Vorkommen im östliches Sibirien
  • der Amur-Elch mit Vorkommen in der Amur-Region, der Mongolei und der Mandschurei
  • der Yellowstone-Elch mit Vorkommen in den nordwestlichen Vereinigte Staaten, im südlichen Alberta
  • der Ostkanadische Elch mit Vorkommen im östlichen Kanada und im US-Bundesstaat Maine
  • der Westkanadische Elch mit Vorkommen im westlichen Kanada und im US-Bundesstaat Minnesota
  • der Alaska-Elch mit Vorkommen im US-Bundesstaat Alaska und im kanadischen Yukon Territorium
Was für ein imponierender eurasischer Elchbulle in der freien Natur. Foto OndrejProsicky / Deposit
Was für ein imponierender eurasischer Elchbulle in der freien Natur. Foto OndrejProsicky / Deposit

Nachwuchs bei den Elchen

Elche lieben das Wasser und die leckeren Wasserpflanzen, die sie auch unter Wasser äsen. Auch die junge Elchkuh lässt es sich schmecken. Foto chloe7992 / Deposit
Elche lieben das Wasser und die leckeren Wasserpflanzen, die sie auch unter Wasser äsen. Auch die junge Elchkuh lässt es sich schmecken. Foto chloe7992 / Deposit

Elche sind tagaktive Einzelgänger. Dies ändert sich im Herbst, wenn die Brunft beginnt. Dann ist das Geweih bei den Bullen ausgewachsen, die Basthaut abgestreift. Der Platzhalter im Revier versucht dann mit Imponieren, Drohgebärden und wenn es sein muss, im Zweikampf seine Kühe für sich zu beanspruchen. Während der Brunft fresse die Bullen kaum etwas, sie verlieren stark an Gewicht.
Die Brunftplätze sind den Elchkühen bekannt, sie schauen in Rudeln zu ungefähr 15 Tieren vorbei und schauen, was sich dort so abspielt und wer das Rennen macht um die geliebten Weibchen, die während dieser Zeit ungefähr an jedem 28. Tag für 30 Stunden empfängnisbereit sind. Meist zieren sich die Kühe ein wenig, bevor sie den Bullen an sich heranlassen. Der Zeugungsakt dauert nur wenige Sekunden und wird innerhalb der Empfängniszeit mehrmals wiederholt. Hat der Platzbulle sein Werk erfolgreich vollendet, verlässt er den Brunftplatz wieder, seinen Nachwuchs wird er zumindestens willentlich nicht sehen.
Nach etwa acht Monaten Tragzeit ist es dann soweit, da zuletzt geführte Kalb wird verjagt, die Elchkuh zieht sich weit in eine einsame, geschützte Stelle im Wald zurück und bringt ein Kalb, manchmal auch Zwillinge zur Welt. Schon wenige Minuten nach der Geburt und dem Trockenlecken steht das Kalb auf, nach ungefähr einer halben Stunde folgt es der Mutter. In dieser Phase ist die Elchkuh sehr aggressiv und kann auch Menschen gefährlich werden, wenn es gilt den etwa 15 Kilo schweren neugeborenen Nachwuchs zu beschützen. 1,5 Liter und später bis zu 3 Liter leckere Muttermilch sorgen dafür, dass das Kalb oder die Kälber wachsen und gedeihen.

Wer sind die Feinde der Elche

Im Yukon Wildlife Preserve werden Elche gepflegt und aufgepäppelt, deren Mütter bei Unfällen getötet wurden. Watson, der kleine Elchbulle lässt sich die Flasche Milch schmecken. Foto Yukon Wildlife Preserve
Im Yukon Wildlife Preserve werden Elche gepflegt und aufgepäppelt, deren Mütter bei Unfällen getötet wurden. Watson, der kleine Elchbulle lässt sich die Flasche Milch schmecken. Foto Yukon Wildlife Preserve

Die Feinde der Elche sind je nach Vorkommen in den einzelnen Ländern und Kontinenten Braunbären, Schwarzbären, Wölfe, Pumas, aber auch Vielfraße und Luchse und Tiger. Auch der Mensch ist als Jäger ein natürlicher Feind des Elches. Ausgewachsene und vor allen Dingen gesunde Elche können sich gegen ihre Feinde wehren und auch vor ihnen fliehen. Meist fallen den vierbeinigen Jägern junge, alten und / oder kranke Tiere zum Opfer. Einzig der Mensch mit seinen Jagdwaffen wird den Elchen zum nicht entweichbaren Feind. Einem weiteren Feind fallen viele Elche zum Opfer, ohne dass sie sich wehren können. Dies sind Parasiten wie Zecken, Milben, Würmer und Leberegel, die die Tiere befallen, Krankheiten übertragen, die die Elche schwächen und sogar ihren Tod verursachen. Nicht zu unterschätzen ist der Feind Mobilität. Viele Elchen werden jedes Jahr bei Unfällen mit Kfz und Lkw getötet.

Der Film zeigt, wie wehrhaft Elchkühe sind, die ein Kalb führen.

Unser Blick auf den Elch

Mit seinem kurzen und kompakten Rumpf, seinen langen und im Verhältnis zum Körper dünn anmutenden Beinen, mit seinem Kopf, seinem Kehlsack und vor allen Dingen mit seiner großen, überstehenden Oberlippe ist der Elch ein lustiger Geselle mit dem besonderen Charme. Aber der größte Hirsch der Erde ist auch ein wunderschönes, impossantes Tier, vor allen Dingen die Bullen mit ihrem mächtigen Geweih, aber auch die großen Kühe, die sehr auf ihren Nachwuchs achten und ihn beschützen. Der Elch ist gutmütig, aber auch sehr wehrhaft. Man sollte dem Tier mit Achtung, Respekt und der gebotenen Zurückhaltung begegnen. Der Elch hat es verdient.

Das kleine Elchkalb Watson, kurz nachdem er bei seiner überfahrenen Mutter gefunden wurde. Im Yukon Wildlife Preserve bei Takhini wurde und wird der Kleine aufgepäppelt und für ein Leben in Freiheit vorbereitet. Foto Yukon Wildlife Preserve
Das kleine Elchkalb Watson, kurz nachdem er bei seiner überfahrenen Mutter gefunden wurde. Im Yukon Wildlife Preserve bei Takhini wurde und wird der Kleine aufgepäppelt und für ein Leben in Freiheit vorbereitet. Foto Yukon Wildlife Preserve
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Alfred Pradel

Alfred Pradel

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist er Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Ontario setzte er den ersten Interkulturellen Austausch von Sportlern um.
Alfred Pradel betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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