Faszination Kanada

Magisches Haida Gwaii: Der Pesuta Shipwreck Trail und der wilde East Beach

Pesuta Shipwreck Trail
Pesuta Shipwreck Trail © Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard

Folgt man dem Yellowhead Highway 16 Richtung Norden, kommt man unweigerlich am kleinen Rastplatz hinter der Brücke über den Tlell River vorbei. Von hier aus startet eine herrliche Wanderung zum Schiffswrack der Pesuta, einer während eines heftigen Wintersturms im Dezember 1928 gestrandeten, 79 m langen Holz-Barkasse, von der der Bug des Schiffes am wilden East Beach verwittert. Der Pesuta Shipwreck Trail gehört zweifelsohne zu den populärsten, einfacheren Tageswanderwegen auf Graham Island und ist mit einer Gesamtstrecke von gut 10 Kilometern (hin und zurück), je nach Fitness und Ausdauer, in 4-6 Stunden zu bewältigen. Zu Beginn folgt der Trail dem gerbstoffreichen, dunklen Tlell River Richtung Meer und windet sich entlang der dicht bewachsenen Uferlinie, später dann etwas weiter davon entfernt durch moos- und farnbewachsenen Küstenregenwald und üppiges Buschwerk bis zur Mündung des Flusses in den Ozean. Hier erreicht man die Küstenregion des wilden, naturbelassenen, langen East Beach, und in Richtung Norden – rechts Meer, links Dünen und dahinter der Wald – geht es immer wieder an gebleichtem Treibholz vorbei, über den teils kieseligen Strand, der das Wandern manchmal ein wenig mühsam macht, direkt auf die Reste der Pesuta zu, die alsbald ins Blickfeld rücken. Da liegt die Pesuta bzw. das was Wind und Wetter von ihr übrig gelassen haben, und schon beginnt man sich auszumalen, wie es wohl war an jenem Tag im Dezember 1928, als der schneidende Sturm das Schiff an die Küste warf. Ganz wichtig: Kamera nicht vergessen! Und wie immer auf den Queen Charlottes an Regenschutz und warme Kleidung denken, denn das Wetter wechselt schnell auf Haida Gwaii, diesen ursprünglichen, mystisch anmutenden Inseln. Und geeignetes Schuhwerk sollte ohnehin obligatorisch sein. Der Rückweg erfolgt auf dem Hinweg und endet wieder am Tlell River Rastplatz direkt an der Brücke. Der Pesuta Shipwreck Trail ist bis zum Wrack selbst Teil des East Beach Wanderweges, der weiter entlang der Ostküste über insgesamt gut 90 Kilometer bis hoch in den Norden der Insel, zum Rose Point und weiter bis zum Tow Hill und Cape Fife Trailhead direkt am Hiellen River führt. Wer genügend Zeit mitbringt und die besondere Flora und Fauna der Queen Charlotte Inseln in aller Ursprünglichkeit und Ruhe entdecken möchte, dem sei diese Wanderung über teils matschige Pfade, Holzbrücken, altes Totholz und entlang einsamer Sand- und Kieselstrände ans Naturliebhaber-Herz gelegt, für die man je nach Konstitution 3-6 Tage einrechnen sollte. Ob, wie beschrieben, von Süden nach Norden oder von Norden nach Süden, beide Wanderrichtungen sind machbar. Doch bietet es sich an, im Süden zu starten, denn dann hat man die vorherrschenden Südostwinde im Rücken. Luxus und Komfort darf man hier nicht erwarten, es gibt einige, natürliche Zeltplätze und drei hölzerne Schutzunterstände ohne Toiletten. Auch auf ein flächendeckend-einwandfrei funktionierendes Mobilfunknetz sollte man besser nicht zählen. Hier teilt man sich die faszinierend magische Natur lediglich mit den Tieren, Weißkopfseeadler- und Schwarzbärsichtungen nicht ausgeschlossen.
Von Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard, www.kopfwortewelt.de

Weitere Infos unter: http://www.gohaidagwaii.ca/blog/the-pesuta-shipwreck-hike

Magisches Haida Gwaii: Der Pesuta Shipwreck Trail und der wilde East Beach
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Dr. Kerstin Loetzerich-Bernhard

Kerstin ist promovierte Chemikerin und war neun Jahre lang unter anderem als Executive Director R&D in der freien Wirtschaft tätig, bis sie ihrer Passion – der Begeisterung für Sprache und Worte – folgte und sich 2008 mit ihrer KOPFWORTEWELT selbstständig machte. Seitdem ist sie erfolgreich als freie Fach- & Wissenschaftsjournalistin, Reisejournalistin, Autorin, Texterin, Redaktionsverantwortliche und Lektorin mit viel Herzblut tätig. Als leidenschaftliche Reisejournalistin, Wanderin und Beobachterin ist Kerstin seit 2001 regelmäßig in Kanada unterwegs. Vor allen Dingen der gesamte Westen – von Süden bis ganz hoch in den Norden – haben es ihr angetan. Dem Reisevirus verfallen, immer auf der Suche nach neuen Geschichten und Plätzen dieses großartigen Landes. Neben Kanada ist sie zudem spezialisiert auf Neuseeland. Ein Land, das sie seit 2005 bereits fünf Mal, teils durch mehrmonatige Aufenthalte, intensiv kennenlernen durfte. KOPFWORTEWELT – Redaktionsbüro & Schreibwerkstatt | Ihre Wort & Textmanufaktur

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