Faszination Kanada

Head-Smashed-In Buffalo Jump – historische Jagdstätte der Blackfeet

Der historische, traditionelle Jagdplatz ist einer der spannendsten 
UNESCO Weltkulturerbe-Stätten des amerikanischen Kontinents

Head-Smashed-In Buffalo Jump – Der Abgrund der Bisons
Der „Abgrund der zu Tode gestürzten Bisons“ erinnert an einen Ort, an dem sich vor vielen vielen Jahren Kanadas Ureinwohner und die Bisons das Land teilten. Lange bevor die First Nations rund um den Head-Smashed-In Buffalo Jump das Pferd, geschweige denn das Gewehr als Jagdbegleiter kannten, nutzten sie eine andere Jagdtechnik. Diese bestand darin, durch eine geschickte Führung der Herde, die Tiere über eine Klippe stürzen zu lassen.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Ein Blick auf den Head-Smashed-In Buffalo Jump. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

„Head-Smashed- In Buffalo Jump“ zeigt als einer der ältesten und besterhaltenen Jagdplätze in Nordamerika in beeindruckender Weise, wie diese Jagdtechnik funktioniert hat. Noch heute forscht die Wissenschaft intensiv, um alle Rätsel dieser anspruchsvollen Jagdweise zu entschlüsseln. Die Provinz Alberta, fast 200 schnurgerade Kilometer südlich von Calgary liegt die Stätte, an der sich Kanadas Ureinwohner und die Bisons das Land teilten. Vor der Kulisse der Rocky Mountains dehnt sich die Hochebene der Great Plains. Weideland so weit das Auge reicht. Heute ist die Provinz Alberta  Heimat der Rancher und Farmer, früher der First Nation und Millionen von Bisons.

Durch diese Form der Jagd war das Überleben eines Stammes über Tage und Wochen gesichert

Bereits heute weiss man einiges über den Ablauf einer Jagd, die durchaus ritualisiert war. So begann die Jagd mit einer spirituellen Zeremonie, den Büffeltänzen. Männer und Frauen gingen durch detaillierte Rituale, um eine gute, sicher und erfolgreiche Jagd sicherzustellen. Während der Zeremonie schickte der Medizinmann „Büffel-Runners“ aus, die die Bisonherde ausfindig machten.Die Büffel-Runners waren die jungen Männer des Stammes, in der Lage ausdauernd zu laufen und der Herde zu folgen. Die Büffeltänze wurden solange durchgeführt, bis Späher das Nahen einer Herde meldeten.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Real wirkende Szenen im Dokumentations-Center des UNESCO Weltkulturerbe Head-Smashed-In Buffalo Jump. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

In genauer Kenntnis der Verhaltensweise der Bisons versuchten die Büffelläufer unter Tierhäute versteckt, die Tiere in Richtung der Klippen zu locken. Dabei waren die Wege so raffiniert V-förmig ausgelegt, dass eine mögliche Flucht der Tiere nur über die Klippen gehen konnten. Waren die Tiere nahe genug an der Klippenkante, tauchten weitere Stammesmitglieder auf, die winkend und schreiend die Tiere weiter antrieben. Die ersten Bisons versuchten meist noch an der Klippen-Kante zu stoppen, es war jedoch vergebens, die nachfolgenden Tiere überrannten sie, so dass die Bisons wie Lemminge in den Tod stürzten.
Bei einem Besuch des sicherlich interessantesten First-Nation Museum in Kanada zeigte Native Stan Knowlton dem Team von Faszination Kanada die noch heute sichtbaren Spuren der frühen Jagd auf die damaligen, millionenfach umherwandernden Herrscher der Prärie, die Bisons. Es war ein besonderes Gefühl an dieser historischen Stätte zu sein, fast konnte man das Trampeln und Schnauben der vielköpfigen Bisonherden erahnen.

Alles vom Bison wurde verwertet, vom Fleisch über die Knochen bis zum Kot

Doch zurück zur Jagd an dem Platz, an dem die hier beheimateten Blackfeet bereits vor rund 6000 Jahren Bisons gejagt haben. Das Tier, um das sich das Denken der Blackfeet gedreht hat, denn es versorgte die Menschen mit Nahrung und Rohstoffen für Gegenstände des täglichen Lebens. Alles wurde von einem gejagten Bison, fast zwei Meter hoch, bis zu vier Meter lang und etwa eine Tonne schwer, verwertet. Es war eine mühsame und gefährliche Jagd, die in der Form des Klippensturzes bis nach 1750 praktiziert wurde. Dann wurde das Bison zu Pferd, mit Pfeil und Bogen und später mit Musketen und Gewehren gejagt.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Head-Smashed-In Buffalo Jump, Jagdstätte und Lebensquell für viele Blackfeet. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

Nach dem Sturz über die Klippen waren viele Bisons nur betäubt oder verwundet. Am Fuß der Klippe warteten deshalb Jäger, die die Tiere töteten. Die Blackfeet glaubten, dass entweichende Tiere andere Herden vor der tödlichen Gefahr warnen könnten. War das Jagdglück hold, dann wurde ein Bison, der einen Stamm mit bis zu 300 Mitgliedern einen Tag ernährte komplett ausgebeutet. Das Fleisch wurde durch Trocknung und Räucherung haltbar gemacht. Das Leder wurde für Kleidung und Zelte verwendet, gegerbt wurde es mit Hilfe der Hirne der Bisons. Rippen wurden zu Griffen für Waffen, die Schulterblätter wurde als Hacken und Schaufeln verwendet. Aus den Hörnern fertigten die Stammesmitglieder Pfeilspitzen oder Gefäße für Kräuter. Tabaksbeutel wurden aus den Blasen der Tiere gefertigt. Der Darm wurde zur Bogensehne, die Hufe und das Fett zu Leim. Und zu guter letzt wurde der Kot der Bisons in der baumarmen Prärie als Brennmaterial eingesetzt. Wie die Jagd, war auch die Verteilung des Bisons genau geregelt. Vor der Verwertung wurden die Götter mit bestimmten Zeremonien besänftigt und es wurde ihnen gedankt.

Head-Smashed-In Buffalo Jump ist unter Hunderten die besterhaltene Jagdstätte an einer Klippe in Nordamerika

Seinen Namen verdankt „Head-Smashed-In“ einer Legende und nicht den getöteten Bisons, wie manche denken mögen. Ein junger Blackfeet-Krieger wollte die herabstürzenden Tiere aus nächster Nähe beobachten. Er stellte sich ganz eng an die Wand der Klippe, die Bisons stürzten vor ihm in die Tiefe. An diesem Tag freilich war die auf die Klippen getriebene Herde größer als sonst. Immer mehr stürzten herab und erdrückten den jungen Mann an dem steilen Fels. Die Blackfeet nannten die Stelle „Estipah-Sikikini-Kots“, übersetzt heißt dies, „where he got his head smashed in“, „wo sein Schädel zerschmettert wurde“.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Am Dokumentations-Center werden die uralten Büffeltänze von den Blackfeet aufgeführt. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

Der Jagdplatz wurde von Archäologen über Jahre erforscht, vermessen und durch Grabungen ausgewertet. In den bis zu elf Meter hohen Aufschüttungen wurden zahlreiche Bisonknochen, Waffen, Steine, Werkzeuge und Keramik gefunden. Der Erforschung der Klippe hat ergeben, dass sie bis in die 1850er Jahre zur Jagd genutzt wurde. Die Ausgrabungen wurden zum Schutz und Erhalt wieder zugeschüttet, die Szenerie wurde im Dokumentationszentrum von „Head-Smashed-In“ nachgebaut. Im Jahr 1981 wurde „Head-Smashed-In“ von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Ein Tipi, früher standen hunderte in den Plains Albertas. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

Beiden Hauptdarstellern in diesem Bericht erging es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts schlecht. Die „First Nation People“ wurden 1877 in Reservate umgesiedelt. Etwa 12.000 Blackfeet von einstmals 350.000 leben heute im Süden der Provinz Alberta. Viele von ihnen besannen sich in den letzten Jahren auf ihre kulturellen Traditionen und manche leben auch wieder von den Bisons.

Fast ausgerottet ist der Bison heute ein gefragtes Zuchttier

Lebten in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch 50 Millionen Bisons in den Plains, waren sie Anfang des 20. Jahrhunderts fast völlig ausgerottet. Die weißen Eroberer organisierten das Töten um den Eingeborenen die Wirtschaftsgrundlage zu entziehen, ihren Widerstand zu brechen und sie zu kontrollieren. Für das Abschießen eines Tieres wurde eine Prämie von 50 Cent bezahlt. Nachgewiesen wurde der Abschuss mit einem abgeschnittenen Ohr des Tieres. Heute zahlen Rancher wieder hohe Preise für ein Kalb, seit einigen Jahren werden wieder vermehrt Bisons sowohl in Kanada als auch den USA gezüchtet. Stammlinien kanadischer Bisons finden sich auch auf Farmen in Deutschland, da das Fleisch der Tiere mittlerweile auch hier sehr begehrt ist.

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Geschichte hautnah erleben, das Dokumentations-Center hat für Kinder eine lebendige Erlebniswelt erschaffen. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

Zahlen, Daten & Fakten zum Head-Smashed-In Buffalo Jump

Kulturdenkmal: Buffalo Jump Complex, ein Steilhang der zur Treibjagd genutzt wurde
UNESCO-Ernennung:
1981
vermutlich um 8000 v. Chr. erste Siedlung
vermutlich bereits um 5400 v. Chr. sicherlich aber um 3500 v. Chr.
erste gemeinschaftliche Treibjagden und Nutzung des Steilhanges durch Prärieindianer, Funde von Fossilien und Artefakten aus dieser Zeit vorhanden
1797 – 
sechswöchiger Besuch von Peter Fidler, einem Händler der Hudsons’s Bay Company, der Zeuge eines Bisonsturzes von 250 Bisons wurde
1850 – 
vermutlich Ende der traditionellen Bisonjagd
1874 – 
Beginn europäischer Besiedlung
1881 – 
Präriebisonherden auf ungefähr 1000 Tiere reduziert
1938 – 
erste archäologische Untersuchungen
1968 – 
Head-Smashed-In Buffalo Jump Complex durch die kanadische Regierung zur                  National Historic Site erklärt
1981 – Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe

Copyrightvermerk für Zahlen, Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 – 2010

Head-Smashed-In Buffalo Jump - historische Jagdstätte der Blackfeet
Vielfältiges Leben auf den Klippen. Foto: Head-Smashed-In Buffalo Jump World Heritage Site

Informationen zur National Historic Site – http://history.alberta.ca/headsmashedin/

Informationen im Video

Head-Smashed-In Buffalo Jump – historische Jagdstätte der Blackfeet
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Tobias Barth

Tobias Barth

Tobias ist ein Kanada-Freak, hat bis auf Nunavut alle Provinzen und Territorien in Kanada bereist und ist der Gründer und Ideengeber von Faszination Kanada. Tobias ist im Januar 2017 in den Yukon (nach Whitehorse) ausgewandert und schreibt dort und von seinen Reisen und Erlebnissen. Zudem ist er als Reiseführer unterwegs und bringt das Land, die Kultur, die Menschen und vorallem die Natur seinen Gästen auf eindrucksvolle Art nahe.

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