Faszination Kanada

Die Eishöhle von Haines Junction (Update)

Eine Wanderung zu einem vergänglichen Monument aus Eis und Schnee

Ist sie nun eine Eishöhle oder ein Eistunnel, eine Ice Cave oder ein Ice Tunnel? Eigentlich egal, es ist ein Monument aus Eis und Schnee, dessen Tag gezählt scheinen. Denn die lichte Breite und Höhe dehnt sich unerbittlich von Jahr zu Jahr mehr aus und irgendwann wird der Tunnel wohl zusammenbrechen.

Rund zwölf Kilometer westlich von Haines Junction startet der rund sieben Kilometer lange Trail zu einer vergänglichen Attraktion am Alaska Highway. Man findet den Start des Trails bei Kilometer 1592 des Alaska Highways, dort ist an einem Baum ein orangefarbenes Fähnchen angebracht und hier kann man sein Fahrzeug abstellen. An schönen Tagen und an den Wochenenden mit schönem Wetter kann man den Trail nicht übersehen, schon wegen der parkenden Autos. Ja, sie parken, direkt am Highway. Das ist der wilde und fast menschenleere Nordwesten Kanadas.

Bis vor wenigen Jahren war die Kluane Ice Cave ein wahrer Geheimtipp. Nur die Einwohner von Haines Juction besuchten die im Kluane Nationalpark liegende Eishöhle. Dann jedoch wurde von CBC eine Dokumentation ausgestrahlt und veröffentlicht, die sich mit der Ice Cave auseinander setzte und sie vorstellte. Seitdem stieg die Zahl der Besucher vor allem aus Whitehorse stetig an.

Die Kluane Eishöhle befindet sich unterhalt der Nordwand des Mount Archibald. Aufgrund ihrer stetigen Bewegung durch das Tauen und Frieren der Eis- und Schneeschichten ist der Begang des Eistunnels nicht ungefährlich, jederzeit können auch größere Eisstücke herunterbrechen. Deshalb kann nur angeraten werden, die Eishöhle nur im Winter zu begehen. Im Sommer behindert Schmelzwasser den Zugang zur Eishöhle und die Gefahr von Eisbruch ist sehr hoch.

Der Weg zur Ice Cave in Haines Junction

Wenn man den Weg vom Alaska Highway weg zur Ice Cave erwandert, dann läuft man nahezu durchgehend in einem Flussbett. Der Weg steigt stetig, er am Ende wird er steil. Die Wanderung wird dann anstrengend, wenn man über die großen Eisfelder geht und dabei immer wieder im Eis einbricht. Gutes Schuhwerk ist Pflicht, Hiking-Stöcke werden empfohlen. Für die Anstrengungen des Marsches wird man aber Meter für Meter, die man erklimmt mehr entschädigt. Die Aussicht auf den Kluane Nationalpark und die umliegenden Bergketten ist grandios.

Je nach Geschwindigkeit und Kondition muss man für die gesamte Strecke rund vier bis fünf Stunden einplanen. Es lohnt sich, immer wieder für eine Rundumsicht oder für Fotos anzuhalten. Bei gutem Wetter schwitzt man auch bei niedrigen Temperaturen. Wir empfehlen, sich warm nach dem Zwiebelprinzip anzuziehen. So kann man, um durchschwitzen zu vermeiden, Schicht für Schicht ausziehen. Wir sind trotz niederer Temperaturen von 2 Grad Minus am Schluss im T-Shirt gelaufen, konnten aber dann später, als es kühl wurde, wieder Schicht um Schicht anziehen.

Da das Angebot an Essen und Trinken in Haines Junction überschaubar ist, empfehlen wir, genügend zum Trinken und ein Vesper einzupacken. Wir empfehlen, sich für diesen besonderen, ungefähr zwölf Kilometer zu erwandernden Ausflug viel Zeit zu nehmen und den Auf- und Abstieg mit seiner beeindruckenden Fernsicht zu genießen. Auf der Strecke überwindet der Wanderung an die 700 Höhenmeter.

Wie ist nun die Eishöhle, mittlerweile ein Eistunnel entstanden? Garry Clarke, ein emeritierter Professor der Universität von British Columbia, der seit 45 Jahren die Gletscher im Yukon erforscht und viele Eishöhlen untersucht hat, vertritt im Bericht der CBC die Meinung, dass sowohl Schmelzwasser als auch die warme Luft im Sommer die Ice Cave gebildet und geformt hat. Der emeritierte Professor ist sich sicher, dass die Höhle bis zur ihrem Zusammenbruch wachsen wird, die lichte Weite immer größer wird. Wann die Eishöhle statisch so instabil wird, dass sie kollabiert, das hängt vom Gewicht des Eises ab. Derzeit sieht das Eis-Monument noch ganz stabil aus, nach dem Ende des Sommers, kann das je nach Temperaturen, die dann herrschen werden, ganz anders aussehen.

Update vom 20. April 2018

Nachdem sich die Eishöhle von Haines Junction nach entsprechenden Presseberichten innerhalb kurzer Zeit vom Geheimtipp zum Anziehungspunkt von vielen Wanderern entwickelt hat, haben sich Geologen die Höhle genauer angeschaut. Insbesondere Jeff Bond vom Yukon Geological Survey ist oft vor Ort. Er hat beobachtet, wie sich die Eishöhle innerhalb der letzten Jahre verändert hat. „Im Jahr 2005 war die Höhle noch 250 Meter lang, in diesem Jahr sind es noch 100 Meter.“ Und die Geologen vom Yukon Geological Survey sehen aufgrund der klimatischen Bedingungen das Ende der Höhle in nicht allzu langer Zeit gekommen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte die Ice Cave von Haines Junction der Vergangenheit angehören. Entweder die schmilzt vor sich hin und verschwindet, oder das Gewicht sorgt für ein Zusammenbrechen der Höhle.

„Die Höhle wird definitiv verschwinden, die Schrumpfungsrate hat sich in den vergangenen Jahren beschleunigt“, sagt Jeff Bond, der in den letzten Tagen die Höhle begangen, vermessen und dokumentiert hat. Und er gab für die vielen Wanderer, die die Höhle suchen und besuchen eine eindeutige Warnung aus. „Es fallen Eisbrocken bis zu einem halben Meter Dicke aus den Höhlenwänden und der Decke, es ist lebensgefährlich, sich in der Höhle jetzt bei der Schmelze zu betreten.“ Der Geologe gibt zu bedenken, dass ein Eisbrocken oder ein im Eis eingeschlossener Felsbrocken dieser Größe, verbunden mit der Fallhöhe, tödlich ist. Und Jeff Bond hofft auf die Vernunft der Menschen, denn die Höhle befindet sich auf öffentlichem Land, so dass die Yukon Geological Survey keine Befugnis hat, die Höhle zu sperren und das betreten zu verbieten.

Die Eishöhle von Haines Junction (Update)
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Tobias Barth

Tobias Barth

Tobias ist ein Kanada-Freak, hat bis auf Nunavut alle Provinzen und Territorien in Kanada bereist und ist der Gründer und Ideengeber von Faszination Kanada. Tobias ist im Januar 2017 in den Yukon (nach Whitehorse) ausgewandert und schreibt dort von seinen Reisen und Erlebnissen. Zudem ist er als Reiseführer unterwegs und bringt das Land, die Kultur, die Menschen und vorallem die Natur seinen Gästen auf eindrucksvolle Art nahe.

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