Faszination Kanada

Der Biber – Ein außergewöhnlicher Nager

Kanadischer Biber beim Fressen.

Kanada in seiner heutigen Form ist ohne den Nager undenkbar

Es gibt unzählige Legenden und Geschichten über den Kanadischen Biber, einem der größten Nagetiere auf der Erde. Fakt ist, sein Fell war es, das die ersten Entdecker und Einwanderer ins heutige Kanada gelockt hat. So hat der sympathische Nager für den Preis der Fast-Ausrottung dafür gesorgt, dass das heutige Kanada erst in dieser Form entstehen und sich entwickeln konnte. Gejagt und gehasst wurde aus dem Biber ein Nationaltier Kanadas, der es auf die 5 Cent-Münze des Landes und auf Briefmarken gebracht hat.

Der Biber ist ein genialer Baumeister, mit seinen Dämmen gestaltet er Landschaften und sorgt dafür, dass die Eingänge zu seiner Burg immer unter Wasser liegen. Foto C.Duschinger/BigStock
Der Biber ist ein genialer Baumeister, mit seinen Dämmen gestaltet er Landschaften und sorgt dafür, dass die Eingänge zu seiner Burg immer unter Wasser liegen. Foto C.Duschinger/BigStock

Schauen wir uns das spannende Tier, einen genialen Architekten und Baumeister, der ganze Landstriche unter Wasser setzen und Landschaften gestalten kann, einmal genauer an. Die First Nations Alaskas nennen den Biber „Kleiner Bruder“, seine Intelligenz als vierbeiniger Ingenieur wird damit wertgeschätzt. Laut einer Legende der Micmac First Nations soll der Gott Glooscap die einst in Nordamerika heimischen Riesenbiber versteinert haben und kleinere Nachkommen in die Welt geschickt haben.

In der Tat lebten in Nordamerika zu Zeiten der großen Säugetiere wie Mammuts bis vor ungefähr 10.000 Jahren bis zu 2,5 Meter große Riesenbiber. Auch die heutigen Biber, die zwar nur halb so groß sind, aber bis zu 40 Kilogramm schwer werden können, sind große Brocken mit kräftigen, ein Leben lang nachwachsenden und bis zu 3,5 Zentimeter langen Schneidezähnen. Damit fällt er in einer Nacht locker Bäume mit einer Stärke von 50 Zentimetern. Bäume dieser Größe dienen als Baumaterial für die großen, wasserstandsregulierenden Dämme, die dafür sorgen, dass die zwei bis fünf Eingänge einer Biberburg immer unter Wasser liegen. Der Biber ist grundsätzlich in ganz Nordamerika verbreitet. In vielen Landstrichen wirkt die Ausrottung durch die Bejagung bis heute nach. Der Biber ist zwischenzeitlich geschützt und wird auch wieder angesiedelt.

In der Biberburg lebt die Biberfamilie monogam mit mehreren Generationen Jungtieren, die mit ungefähr zwei Jahren die Gemeinschaft verlassen müssen. Foto Amelia Martin/BigStock
In der Biberburg lebt die Biberfamilie monogam mit mehreren Generationen Jungtieren, die mit ungefähr zwei Jahren die Gemeinschaft verlassen müssen. Foto Amelia Martin/BigStock

Biber sind monogame Familientiere

Der Kanadische Biber ist ein richtiges Familientier. Das Pärchen lebt monogam mit seinem oftmals mehrere Generationen umfassenden Nachwuchs als Familie in seiner Biberburg. Geschlechtsreife Jungtiere müssen den Verband verlassen, meistens nach zwei Jahren. Biber sind sehr sesshaft und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen. Das Revier wird mit einem moschusartigen Sekret aus dem Analbereich markiert. Dieses Sekret wird auch zur Imprägnierung des Felles genutzt. Aus der lebenslangen Ehe beider erwachsenen Tiere gehen nach ca. 105 Tagen Tragezeit ein bis vier Jungbiber pro Jahr hervor. Die Jungtiere sind bei der Geburt sehr gut entwickelt, haben die Augen geöffnet und wären sofort in der Lage zu schwimmen. Junge Biber werden ungefähr 90 Tage gesäugt, nehmen aber schon bald nebenher feste Nahrung zu sich. In freier Natur wird der Kanadische Biber zwischen zehn und 15 Jahre alt. Allerdings ist der Biber durch Parasiten und Krankheiten ebenso gefährdet wie durch Fressfeinde. Gejagt wird der Nager von Wölfen, Kojoten und anderen Räubern wie Adler, die durchaus Jungtiere schlagen. In Gefangenschaft gehaltene Biber wurden bis zu 30 Jahre alt.

Die kleinen Augen weisen den Biber als überwiegend nachtaktives Tier aus. Foto wrangel/BigStock
Die kleinen Augen weisen den Biber als überwiegend nachtaktives Tier aus. Foto wrangel/BigStock

Biber sind geniale Baumeister. Neben den Dämmen, die sie zur Regulierung des Wasserstandes in ihrem Revier mit mehreren Burgen bauen, sind die Behausungen auch genial aufgebaut. Die Biberburg wird aus dünnen Stammteilen, Ästen und soweit vorhanden, Schilf gebaut. Die Eingänge liegen grundsätzlich unter Wasser, der Wohnkessel, der Schlafplatz, die beide mit Pflanzenteilen gepolstert sind und die Lagerstätten für die Nahrungsvorräte, liegen über der Wasserlinie. Die Tiere sind hervorragende Schwimmer und Taucher. Der Kanadische Biber hält keinen Winterschlaf, er legt aber über den Sommer und Herbst Vorräte an. Der Biber ernährt sich ausschließlich pflanzlich, Wasserpflanzen, junge Baumtriebe sowie Schilf, Wasserrosen und Wasserlilien gehören zum Nahrungsspektrum des Nagetieres. Spezielle Mikroorganismen im Magen helfen dem Tier, die nährstoffarme Nahrung zu verwerten.

Im Jahr 2007 entdeckte ein kanadischer Umweltschützer im Wood Buffalo Nationalpark in Alberta auf Satellitenbildern einen riesigen Biberdamm. Erst im Jahr 2010 machte er seine Entdeckung öffentlich. Der riesige Damm, der über einen Zeitraum von ungefähr 35 bis 40 Jahren über mehrere Bibergenerationen und Familien hinweg entstanden ist, ist sage und schreibe 850 Meter lang.

Der Biber ist als Nationaltier Kanadas auch auf Briefmarken verewigt worden, wie hier auf einer 5 Cent Marke aus dem Jahr 1954. Foto Canada Post
Der Biber ist als Nationaltier Kanadas auch auf Briefmarken verewigt worden, wie hier auf einer 5 Cent Marke aus dem Jahr 1954. Foto Canada Post

Der Kanadische Biber, seit jeher vom Menschen gejagt, hat es letztendlich doch geschafft, die Wertschätzung der Kanadier zu erhalten. Er ist das Nationaltier Kanadas, verewigt auf vielen Dingen. So ziert er Briefmarken von Canada Post und seit 1937 ziert er den Nickel, die 5 Cent Münze des Landes. Aber, nach wie vor ist der Biber vielen Gefahren ausgesetzt, die seine Art bedrohen. Heute setzen ihm nicht mehr nur die Jagd zu, überwiegend kanadische Farmer sehen im Biber einen Schädling. Es sind auch die Umwelteinflüsse wie Wasserverschmutzung in Seen und Flüsse, die das Tier gefährden und ihn schädigen. Hier gibt es eine Menge, auch im Naturparadies Kanada, zu tun, um das herrliche Tier zu schützen und es zu erhalten.

Zum Thema Biber gibt es von National Geographic diese spannende Dokumentation, viel Spaß beim Anschauen.

 

 

Der Biber – Ein außergewöhnlicher Nager
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Alfred Pradel

Alfred Pradel

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist er Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Ontario setzte er den ersten Interkulturellen Austausch von Sportlern um.
Alfred Pradel betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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