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Vimy Ridge – Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Detail des Mahnmals für die gefallenen kanadischen Soldaten in Vimy, Frankreich. Foto: apr

Kanada, Großbritannien und Frankreich gedenken der Schlacht von Vimy Ridge

„Vor hundert Jahren gingen Albertans und Nova Scotians in die Schlacht, aber als Kanadier kehrten sie zurück.“ Mit den Worten eines Veterans der Schlacht von Vimy Ridge skizzierte Kanadas Premierminister Justin Trudeau am vergangenen Wochenende die Vorgänge einer Schlacht, in der nahezu 3600 kanadische Soldaten ihr Leben ließen und mehr als 7000 verwundet wurden.

Blicken wir zunächst zurück:

Es war der 9. April 1917, Ostermontag. Um 5:30 Uhr begann bei Schnee und Nebel der Angriff der kanadischen Divisionen auf den Vimy Rücken. Abwohl die eingesetzten Tanks zerschossen wurden oder im Schlamm stecken blieben, gelang es den Truppen rasch, Gelände zu gewinnen. Allerdings war der Blutzoll hoch, die deutschen Maschinengewehrgruppen konnten insbesondere aus den Dörfern heraus mit verheerender Wirkung in die Kämpfe eingreifen.

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Die Schlacht von Vimy Ridge auf der Karte.

Aber die 16 eingesetzten Divisionen auf Seiten der Briten und Kanadier, die die ausgebluteten französischen Divisionen ersetzten und stärkten konnten in der 25 Kilometer langen Front schließlich die Oberhand gewinnen. Aber die Schlacht war noch lange nicht ausgestanden, bis zum 3. Mai tobte der Kampf um wenige Meter und um einige Höhen. Letztendlich endeten die Schlachten bei Arras, Vimy und anderen Orten mit einem militärischen Patt, beide Seiten hatten sich wieder eingegraben, so dass es letztlich wieder zum zermürbenden Stellungskrieg kam. 150.000 tote britische Soldaten, nahezu die selbe Zahl auf deutscher Seite mussten in die Geschichtsbücher eingeschrieben werden. Kanada verlor alleine in der Schlacht am Vimy Ridge nahezu 3600 Soldaten, über 7000 wurden verwundet. Ein hoher Menschenverlust für die noch junge Nation Kanada, damals mit acht Millionen Einwohnern ein Riesenland mit wenigen Bewohnern. Aber, die Schlacht von Vimy Ridge einigte Soldaten aus allen Provinzen, Kanadier, neue Einwanderer und First Nation. Die Schlacht markiert die Blutigste in der kanadischen Geschichte. Aus Dankbarkeit über den Einsatz schenkte der französische Staat Kanada ein 100 Hektar großes Gelände auf dem Vimy Rücken, dem Vimy Ridge. Darauf entstand das imposante, sehr unmilitaristische Mahnmal, in das die Namen von 11.285 vermissten Soldaten eingemeißelt sind.

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Replikas der WW I Flugzeuge über Vimy Ridge. Foto: apr

Die Darstellung des Denkmals, das ohne Darstellung von Waffen und anderen militärischen Symbole den Frieden in besonderer Weise darstellt, imponierte auch Adolf Hitler, der das Denkmal 1940 besuchte. Nach seinem Besuch ließ Hitler das Mahnmal von der Waffen-SS bewachen, so dass es nicht wie andere Denkmäler des 1. Weltkrieges zerstört wurde.

Zwei Jahre vor der Schlacht von Vimy Ridge verfasste der kanadische Lieutenant Colonel John McCrae unter dem Eindruck des frühen Todes seines besten Freundes, des gerade einmal 22-jährigen Lieutenant Alexis Helmer, das Gedicht „In Flanders Fields“. McCrae war aufgefallen, dass auf dem frischen Grab seines Freundes, aber auch auf den Schlachtfeldern der Klatschmohn (Poppies) blühte. Die lange keimfähigen Samen des Klatschmohns blüht, wenn der Boden in dem er liegt gestört wird. So geschehen durch die Granateinwirkung während der Schlachten. Die Blüten des Mohns, die Poppies spielten auch bei der Zeremonie zum 100-jährigen Gedenken an die Schlacht von Vimy Ridge. Mehr davon in Teil 2.

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Lieutenant Colonel John Alexander McCrae, Schöpfer des Gedichtes „In Flanders Fields“.

In Flanders Fields

Deutsche Fassung

Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn
zwischen Reihen von Kreuzen,
wo unser letzter Ruheplatz ist; und am Himmel
fliegen immer noch die prächtig singenden Lerchen;
kaum hörte man ihren Gesang unten bei den Geschützen
Wir sind die Toten. Vor kurzem noch
lebten wir, nahmen die Morgendämmerung wahr;
liebten und wurden geliebt. Und jetzt liegen wir
auf Flanderns Feldern.
Führt unseren Kampf mit dem Gegner fort!
Euch werfen wir aus kraftlosen Händen
die Fackel zu; sie hoch zu tragen sei eure Pflicht.
Haltet ihr uns Toten nicht die Treue,
werden wir nicht ruhen, auch wenn der Mohn blüht
auf Flanderns Feldern.

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Der Klatschmohn, Symbol der Schlachten des 1. Weltkrieges.

Englisches Original

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row
Tltat mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing^y
Scarce heard amid theguns below.
We are the Dead. Short days ago
We lived,felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved, and now we lie
In Flanders ßelds.
Take up our quarrel with the Joe:
To youßomfaiUng hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
Ifye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flander fields…

In Teil 2 berichten wir über die Feierlichkeiten zu 100 Jahre Schlacht von Vimy.

Vimy Ridge - Eine Schlacht eint vor 100 Jahren die Kanadier
Ehrengäste in Vimy: hinten von links Prinz Harry, Prinz William (Duke of Cambridge), Premierminister Justin Trudeau. Vorne von links Frankreichs Präsident Francois Hollande, David Johnston General-Gouverneur von Kanada, Prinz Charles (Prince of Wales). Foto; apr
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Alfred Pradel

Alfred Pradel

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist er Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Ontario setzte er den ersten Interkulturellen Austausch von Sportlern um.
Alfred Pradel betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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