Faszination Kanada

Propaganda – Wie man Lügen verkauft

Uncle Sam auf einem US-amerikanischen Rekrutierungsplakat aus dem Ersten Weltkrieg. Foto © Library of Congress

Uncle Sam auf einem US-amerikanischen Rekrutierungsplakat aus dem Ersten Weltkrieg. Foto © Library of Congress

Wie Menschen seit Jahrtausenden Mittel zur Manipulation nutzen

Propaganda, die Macht der Lüge. Unter dieser Überschrift beleuchtet der deutsch-französische Kultursender ARTE vom 7. bis zum 10. September 2019, wie Menschen mit verschiedenen Mitteln andere Menschen durch Propaganda manipulieren, ihnen Lügen als Wahrheiten verkaufen. Höhepunkt ist das das neueste Filmdokument des bekannten und preisgekrönten kanadischen Autoren, Filmemachers und Regisseurs Larry Weinstein. Faszination Kanada durfte den Film vorab bei der Europa Premiere in Berlin ansehen und konnte mit Larry Weinstein reden.

Alles Lüge? Der Film von Larry Weinstein, der am Dienstag, 10. September 2019 um 20.15 Uhr im Kultursender ARTE ausgestrahlt wird, erzählt in beeindruckender Form über das Thema Propaganda, wie man Lügen verkauft. Weinstein ergründet in seinem neuesten Werk, welche Methoden der Manipulation zum Einsatz kommen. Und er kann mit seiner spannenden Geschichte zu Beginn weit zurückgehen. Denn mit dem Mittel der Kunst haben schon unsere Vorfahren in der Steinzeit manipuliert, haben mit Höhlenmalereien die Macht der urzeitlichen Schamanen demonstriert. Ein weiteres Mittel waren die Gemälde und Drucke der kirchlichen Institutionen, die damit in der Reformation und Gegenreformationen jeweils ihre Anhänger für sich gewinnen wollten. Das Thema Propaganda mit immer moderneren Stilmitteln wie Filmen, Graffiti, Architektur, Plakate und Street-Art. Larry Weinstein zeigt in seiner Dokumentation, wie es Leni Riefenstahl mit Beleuchtung und für die damalige Zeit sensationelle Bildschnitte und Kameraführung gelang mit ihrem NS-Propagandafilm „Triumph des Willens“ über den sechsten Reichsparteitag der NSDAP 1934 ein einflussreiches Meisterwerk zu inszenieren. Gezeigt werden als Beispiel „gelungener Propaganda“ auch die Massenaufmärsche in Nordkorea, aber auch ein hoher kirchlicher Würdenträger kommt zum Thema Propaganda zu Wort.

Militärparade in der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea. Foto © Getty Images
Militärparade in der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea. Foto © Getty Images


Im Film werden unter anderem auch politische Künstler wie Ai Weiwei, Jim Fitzpatrick, der Schöpfer des weltweit berühmten Che Guevara Plakats, Shepard Fairy, Street-Art Künstler und Erfinder des Obama Plakats mit der Botschaft „Hope“ sowie Sabo, ein bekennender Trump Fan, der mit seiner Kunst das demokratische Establishment bekämpft, vorgestellt.

Auf Einladung des Kultursenders ARTE konnte das Redaktions-Team von Faszination Kanada den Dokumentarfilm von Larry Weinstein in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin vorab bei seiner Europapremiere anschauen. Nach spannenden und nachdenklich machenden 90 Minuten fragt man sich, was ist Wirklichkeit, Wahrheit, was ist Propaganda oder was sind Fake News. Beklemmende Beispiele zeigen, wie man mit absolut erfundenen Geschichten Stimmungen aufheizen und Meinungen manipulieren kann. „Propaganda ist die Feindin des Journalismus. Sie lauert an jeder Ecke, kein Hirn, kein Mund, keine Feder ist vor ihr gefeit.“, sagt Wolfgang Bergmann, Koordinator von ARTE im ZDF, bei der Vorstellung des Films vom Larry Weinstein.

Ein Film gegen soziale, religiöse und politische Propaganda und Gehirnwäsche

Larry Weinstein schildert seine Beweggründe, diesen Film zu machen, wie folgt: „Dieser Film ist eine Reaktion auf und gegen das, was momentan in der Welt geschieht. Propaganda wird eingesetzt, seit es die Menschheit gibt. Doch heute spürt man, dass Propaganda exponentiell zunimmt und ebenso schnell immer neue Formen annimmt.“ Larry Weinstein, der anders als in allen anderen seiner Filmen, die in den letzten 35 Jahren entstanden sind, selbst im Film zu sehen und als Fragesteller zu hören ist, in der englischen Originalfassung auch der Erzähler ist, er ist sich bewusst, dass jede Form von Kunst auch Propaganda ist, auch ein, sein Film über Propaganda.

Stellten sich nach der Filmpremiere den Fragen der Journalisten, v.l. Bernd Mütter, Programmdirektor ARTE, Ulrike Demmer, stellvertretende Regierungssprecherin der Bundesregierung, Larry Weinstein, Regisseur, Stephan Detjen, Mitglied im Vorstand der Bundespressekonferenz, Wolfgang Bergmann, Koordinator ARTE im ZDF und Geschäftsführer ARTE Deutschland
Stellten sich nach der Filmpremiere den Fragen der Journalisten, v.l. Bernd Mütter, Programmdirektor ARTE, Ulrike Demmer, stellvertretende Regierungssprecherin der Bundesregierung, Larry Weinstein, Regisseur, Stephan Detjen, Mitglied im Vorstand der Bundespressekonferenz, Wolfgang Bergmann, Koordinator ARTE im ZDF und Geschäftsführer ARTE Deutschland

Im Gespräch nach der Filmpremiere forderte der Regisseur dazu auf, sich mehr gegen den Verkauf von Lügen als Wahrheit, gegen Propaganda zu stellen, mehr aufzubegehren gegen Meinungsmache durch Politiker wie Trump, aber auch durch parteiische Propaganda durch die Medien.

Der Fazination Kanada Tipp

Propaganda – Wie man Lügen verkauft
Dokumentarfilm von Larry Weinstein
ZDF/ARTE, TAGLICHT MEDIA GMBH
Deutschland/Kanada 2019
Erstaustrahlung

Über Larry Weinstein

Larry Weinstein in der Bundespressekonferenz. Foto Elli Baumann
Larry Weinstein in der Bundespressekonferenz. Foto Elli Baumann

Larry Weinstein wurde 1956 in Toronto, Kanada geboren. Bereits als Teenager begann er während seines Studiums an der Earl Haig Secondary School Filme zu drehen. Heute gehört Larry Weinstein zu den versiertesten und produktivsten Dokumentarfilmers Kanadas und der Welt. Seine Filme wurde in mehr als 40 Ländern weltweit geehrt und ausgezeichnet. Er gewann unter anderem den Emmy Award dreimal und erhielt etliche Emmy Nominierungen, die Canadian Screen/Gemini Awards sowie weitere Auszeichnungen in verschiedenen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Frankreich, der Tschechischen Republik, Mexiko und Australien. Im Jahr 2015 gründete Weinstein Larry Weinstein Productions und seine Vertriebsfirma Dead Cow International. Weinstein, der in seinen Dokumentationen die Grenzen des konventionellen Erzählens sprengt, indem er historische und neuere Filmdokumente sowie Rekonstruktionen und Spielszenen einfügt.

Der Dokumentarfilm „Propaganda – Wie man Lügen verkauft“ gehört sicherlich zu den Höhepunkten seines Schaffens. Weitere Filme sind:

Ich mache Ouvertüren: Die Geschichte eines Gemeinschaftsorchesters (1984)
All That Bach (1985)
Ewige Erde (1987)
Ravel (1987)
For The Whales (1989)
Die radikale Romantik: John Weinzweig (1990)
Nächte in den Gärten Spaniens (1990)
Wenn das Feuer brennt: Das Leben und die Musik von Manuel de Falla (1991)
Meine Kriegsjahre: Arnold Schoenberg (1992)
Concierto de Aranjuez (1993)
Schatten und Licht: Joaquin Rodrigo mit 90 Jahren (1993)
September Songs: Die Musik von Kurt Weill (1994)
Solidaritätslied: Die Hanns Eisler Geschichte (1995)
Die Kriegssymphonien: Schostakowitsch gegen Stalin (1997)
Hongkong Symphonie: Himmel-Erde-Menschlichkeit (1997)
Ravels Gehirn (2001)
Andrea Bocelli: Toskanischer Himmel (2001)
Zahnpasta (2002)
Stürmisches Wetter: Die Musik von Harold Arlen (2002)
Beethovens Haare (2005)
Verbrannter Toast (2005)
Mozartbälle (2006)
Toscanini: In seinen eigenen Worten (2009)
In Hanas Koffer (2009)
Mulroney: Die Oper (2011)
Gottes Zorn (2011)
Der 13. Mann (2012)
Unser Mann in Teheran (2013)
Claras große Fahrt (2015)
Das Teufelshorn (2016, über Adolphe Sax und Giuseppi Logan)
Leslie Caron: Der widerstrebende Stern (2016)
Träumen von einer jüdischen Weihnacht (2017)
Das unmögliche Schwimmen (2019)
Propaganda: Wie man Lügen verkauft (2019)

Faszination Kanada im Gespräch mit dem kanadischen Dokumentarfilmer Larry Weinstein. Foto Elli Baumann
Faszination Kanada im Gespräch mit dem kanadischen Dokumentarfilmer Larry Weinstein. Foto Elli Baumann


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Alfred Pradel

Alfred Pradel

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist er Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Ontario setzte er den ersten Interkulturellen Austausch von Sportlern um.
Alfred Pradel betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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